Warum Industrial UX andere Kompetenzen erfordert
Digitale Produkte folgen grundsätzlich denselben Prinzipien nutzerzentrierter Gestaltung. Doch sobald Software-Teil einer Maschine, eines Geräts oder eines komplexen Arbeitsprozesses mit weiteren physischen Stellelementen und weiteren, im Raum verteilten Funktionselementen als Teil eines Wertschöpfungsprozess wird, kommen zusätzliche Anforderungen hinzu:
Andere Nutzer: Maschinenbediener, Instandhalter, Schichtleiter und Servicetechniker haben ein tiefes Prozesswissen und klare Routinen. Ihre Oberfläche muss dieses Wissen unterstützen, nicht ausbremsen. Auf der anderen Seite sollen auch hier die Einarbeitung und der Schulungsaufwand z.B. durch Wizards und Tutorials so gering wie möglich gehalten werden.
Andere Umgebung: Handschuhe, Schmutz, Lärm, Blendung, Bewegung, Vibrationen und wechselnde Lichtverhältnisse beeinflussen Interaktion und Lesbarkeit maßgeblich.
Andere Konsequenzen: Fehlbedienungen können Anlagen beschädigen oder Menschen gefährden. Fehlertoleranz, Rückmeldung, Sichtbarkeit und Eindeutigkeit stehen deshalb über Gestaltungstrends.
Andere Rahmenbedingungen: Hardware-Restriktionen, Echtzeitdaten, Normen, Sicherheitskonzepte und lange Produktlebenszyklen gehören von Anfang an in den Designprozess.
Andere Ziele: Industrielle Systeme werden nicht zum Selbstzweck genutzt, sondern um konkrete Arbeitsergebnisse zu erzielen. Qualität, Sicherheit, Effektivität und Effizienz stehen im Vordergrund. Umso geringer ist die Toleranz für unklare Abläufe, unnötige Interaktionen oder eine nicht durchdachte Bedienung.
Unser Vorteil: Alles unter einem Dach
Ein gutes HMI besteht nicht allein aus dem, was auf dem Display zu sehen ist. Display, Gehäuse, physische Bedienelemente, Position an der Maschine, Ergonomie und Software müssen zusammenspielen.
Genau hier unterscheidet sich unser Ansatz von reinem Screen Design. Bei BUSSE können UX-Designer, Industriedesigner und Ingenieure gemeinsam an einem Bedienerlebnis arbeiten. Dadurch können wir digitale und physische Interaktion früh zusammenbringen und Lösungen nicht nur gestalten, sondern auch ihre technische und ergonomische Umsetzbarkeit berücksichtigen. Oft macht es Sinn, bestimmte Funktionen sowohl auf dem Screen (z.B. beim Einrichten des Programms), aber auch durch ideal im Arbeitsbereich blind bedienbare Hardware-Taster bedienbar zu machen. Dabei betrachten wir bewusst auch, welche Funktionen digital und welche physisch bedient werden sollten. Je nach Nutzungssituation kann es beispielsweise sinnvoll sein, eine Funktion sowohl über den Screen als auch über einen gut erreichbaren oder blind bedienbaren Hardware-Taster zugänglich zu machen.
Ergonomie und 3D-Kompetenz: Sichtbereiche, Greifräume und Bedienhöhen bewerten wir
auf Basis einschlägiger Normen und direkt am 3D-Modell oder via VR/AR, bevor im weiteren Schritt physische Prototypen erstellt werden
Engineering und Prototyping inhouse: Vom klickbaren UI-Prototyp bis zum physischen Funktionsmuster werden Konzepte schnell greifbar. Das verkürzt Abstimmungswege und sorgt für realistische Entscheidungen.
HMI-Lab: Bedienkonzepte und Hardwarevarianten können unter praxisnahen Bedingungen getestet und gemeinsam mit Anwenderinnen und Anwendern validiert werden.
Industriedesign: Wir gestalten Bedienterminals und Maschinen-Interfaces als Gesamtprodukt, nicht nur die Oberfläche auf dem Screen.
Unser Ansatz: UX720°
Mit UX720° betrachten wir physische Bedienelemente, deren Verortung und Gestaltung sowie digitale Oberflächen und den Nutzungskontext nicht getrennt voneinander, sondern als integriertes Bedienerlebnis. Denn ein optimierter Screen allein macht noch keine gute User Experience, wenn Displaygröße, Position, Interaktionsprinzip oder die Auswahl und Platzierung der physischen Bedienelemente nicht zur Aufgabe und zum Nutzungskontext passen.
Diese ganzheitliche Sicht setzen wir beispielsweise mit unserem Operator HMI um: Wir verbinden Bedienelemente, Displays, Menüführung und Hardware für Maschinen, Fahrzeuge und Medizintechnik zu einer abgestimmten Lösung, von der ersten Idee bis zur Serienreife.
Mehr zu UX720° Was wir darüber hinaus für Sie tun
Nutzer- und Kontextanalyse direkt vor Ort: Wir beobachten, wie Ihre Maschinen tatsächlich bedient werden.
UI-Design und Design Systeme, konsistent über Produktlinien und Gerätegenerationen hinweg
Usability-Tests: Wir validieren Bedienkonzepte frühzeitig mit echten Anwenderinnen und Anwendern.
Die Qualität der Bedienung ist ein maßgeblicher Teil der wahrgenommenen Produktqualität. Gerade im Maschinen- und Anlagenbau reicht es deshalb nicht mehr aus, technisch leistungsfähig zu sein. Wenn Maschinen technisch vergleichbarer werden, kann ein durchdachtes Bedienkonzept zum echten Differenzierungsmerkmal werden.
Industrial UX trägt damit nicht nur zu einer besseren User Experience bei, sondern kann auch die Wettbewerbsfähigkeit eines Produkts stärken.
Sie wissen noch nicht, wo Sie anfangen sollen?
Nicht jedes Projekt muss mit einer vollständigen Neuentwicklung beginnen. Häufig ist zunächst ein objektiver Blick auf das bestehende System der sinnvollste Schritt. Dabei können Sie uns vom einzelnen UX-Baustein bis zur ganzheitlichen Produktentwicklung einbinden, genau dort, wo Sie Unterstützung benötigen.
Mit einem UX-Check analysieren wir Ihr bestehendes HMI, Ihre Software oder Ihr Bedienkonzept und identifizieren konkrete Usability-Schwachstellen und Verbesserungspotenziale. Sie erhalten eine fundierte Einschätzung, wo Handlungsbedarf besteht, welche Maßnahmen den größten Nutzen versprechen und wie mögliche nächste Schritte aussehen können.
So entsteht aus einem diffusen „Unsere Bedienung müsste eigentlich besser werden“ eine konkrete Entscheidungsgrundlage für die weitere Entwicklung.
Mehr zum UX-Check Lassen Sie uns über Ihre Bedienlösung sprechen
Planen Sie eine neue Maschinengeneration? Möchten Sie ein bestehendes HMI modernisieren? Soll die Bedienung über unterschiedliche Maschinen und Produktlinien hinweg vereinheitlicht werden? Oder suchen Sie einen Partner für eine komplexe Software-Oberfläche?